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 Post subject: Europa nach Merkel
PostPosted: 1. Feb 2016, 07:01 
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Bassam Tibi in der Weltwoche:

http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisg ... dID=556180

Quote:
Die Masseneinwanderung arabischer und nordafrikanischer Muslime gefährdet die Stabilität und 
die Identität Europas. Parallelgesellschaften bilden sich bereits. Politik und Medien verdrängen und 
tabuisieren. Als gebürtiger Syrer schwanke ich zwischen Fassungslosigkeit und Staunen.
Von Bassam Tibi

(...)

Leugnung der Gefahren

(...)

Die eingekesselten Frauen wurden sexuell missbraucht und in ­einigen Fällen vergewaltigt und anschliessend beraubt. Die Polizei glänzte durch Abwesenheit. Die Hunderte von Anzeigen geschundener Frauen stellen dieses Verhalten in Frage. Hiervon ausgehend will ich drei Problem­bereiche erläutern: die illegale Migration, ­ethnische Armut und Parallelgesellschaften. ­Diese Problembereiche werden in den euro­päischen Medien als Tabuzonen behandelt, zum Schutz der Flüchtlinge vor Vorurteilen.

Ich möchte vorausschicken, dass ich ein syrischer Migrant bin, der seit 1962 in Europa lebt. Bereits nach dem Zusammenbruch des Kommunismus gab es Migrationsschübe. Aber seit 2015 erleben wir eine Flüchtlingskrise, bei der es um das Schicksal Europas geht. Im Dezember hat das Uno-Hochkommissariat für Flücht­linge (UNHCR) die Zahl der Flüchtenden ­
mit sechzig Millionen beziffert. Diese werden durch Merkels Willkommenskultur angezogen. Wie frei kann man über dieses Thema ­sprechen? ­Warum wollen die meisten Flüchtlinge nach Europa kommen?

(...)

Ich ­wage die Prognose, dass eine ungehemmte ­Ausbreitung der Parallelgesellschaften in Europa den Zerstörungsprozess des Gemeinwesens einleitet. Osteuropäische Länder, die dieses Schicksal nicht hinnehmen wollen, werden in westlichen Medien mangelnder Solidarität bezichtigt. Es ist beängstigend, wie Deutschland in diesem Kontext einen moralischen Imperialismus praktiziert, der sogar mit wirtschaft­lichen Sanktionen verbunden wird.

(...)


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 Post subject: Re: Europa nach Merkel
PostPosted: 1. Feb 2016, 07:02 
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Das musste der Göttinger Professor wohl in der Weltwoche veröffentlichen, weil die großen deutschen Medien zu feige dafür sind ...


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 Post subject: Re: Europa nach Merkel
PostPosted: 1. Feb 2016, 07:03 
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... wobei es allerdings wohl nicht ausreicht, die systematische Ausblendung der Beiträge eines so hochkompetenten Wissenschaftlers aus dem Spektrum der veröffentlichten Meinungs"vielfalt" mit Feigheit zu erklären:

Quote:
(...)

Ich möchte diesen Begrüßungstext mit der großen Bitte einleiten, meinen sehr besorgten in der Schweizer Wochenzeitung DIE WELTWOCHE (Heft 42, 15.Okt.2015) veröffentlichten Artikel “Warnung vor der Tyrannei” zu lesen. Ich trage diese Bitte vor mit der Begründung, dass ich ca. 50 Jahre meines Lebens damit verbracht habe, über Nahost, Islam und Islamismus, Migration aus der Welt des Islam nach Europa sowie in diesem Kontext über die Europäisierung des Islam als Integrationskonzept zu forschen und zu veröffentlichen. Weil mein Denken im Widerspruch zu dem vorherrschenden Narrativ steht, wird mein Werk ausgegrenzt. Das ist kein Einzelfall sondern nur ein Beispiel über die Tyrannei der vorherrschenden Meinung. Dagegen protestiere ich im genannten Beitrag, der im Volltext nachzulesen ist.

(...)


http://www.bassamtibi.de/start-2/

Das sieht schon eher so aus, als wenn die Sachwalter der Macht in Politik, Medien und Justiz in einem fortgeschrittenen Zustand der Dekadenz einer versagenden Demokratie ihren Kollegen in totalitären Systemen sehr ähnlich werden.


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 Post subject: Re: Europa nach Merkel
PostPosted: 1. Feb 2016, 07:04 
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GG146 wrote:
... wobei es allerdings wohl nicht ausreicht, die systematische Ausblendung der Beiträge eines so hochkompetenten Wissenschaftlers aus dem Spektrum der veröffentlichten Meinungs"vielfalt" mit Feigheit zu erklären:

Quote:
(...)

Ich möchte diesen Begrüßungstext mit der großen Bitte einleiten, meinen sehr besorgten in der Schweizer Wochenzeitung DIE WELTWOCHE (Heft 42, 15.Okt.2015) veröffentlichten Artikel “Warnung vor der Tyrannei” zu lesen. Ich trage diese Bitte vor mit der Begründung, dass ich ca. 50 Jahre meines Lebens damit verbracht habe, über Nahost, Islam und Islamismus, Migration aus der Welt des Islam nach Europa sowie in diesem Kontext über die Europäisierung des Islam als Integrationskonzept zu forschen und zu veröffentlichen. Weil mein Denken im Widerspruch zu dem vorherrschenden Narrativ steht, wird mein Werk ausgegrenzt. Das ist kein Einzelfall sondern nur ein Beispiel über die Tyrannei der vorherrschenden Meinung. Dagegen protestiere ich im genannten Beitrag, der im Volltext nachzulesen ist.

(...)


http://www.bassamtibi.de/start-2/

Das sieht schon eher so aus, als wenn die Sachwalter der Macht in Politik, Medien und Justiz in einem fortgeschrittenen Zustand der Dekadenz einer versagenden Demokratie ihren Kollegen in totalitären Systemen sehr ähnlich werden.


Es entspricht der Tatsache, dass andersdenkende ausgegrenzt werden obwohl alles dafür spricht, dass diese Mahnungen oder Warnungen vor allem in der Bevölkerung grosse Angst machen, und immer noch von einem Grossteil der Menschen vor allem von Politiker in ganz Europa, als rechtslastig abgetan werden. :shock:

Den Beitrag "Warnung vor der Tyrannei" habe ich in der Weltwoche gelesen. Ich füge ihn nachträglich ein. ;)


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 Post subject: Re: Europa nach Merkel
PostPosted: 1. Feb 2016, 07:05 
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Viele Menschen in Deutschland wagen es nicht mehr, offen 
ihre Meinung zu ­äussern, weil sie wissen, welche Keulen gegen 
sie ­eingesetzt werden, wenn sie vom vorherrschenden Narrativ ­abweichen. Diese politische Kultur der Angst ist schlicht 
undemokratisch.
Von Bassam Tibi

Manche Schweizer Leser könnten fragen, warum dieser Artikel über das Nachbarland, meine Wahlheimat Deutschland, mit ­einem Rückgriff auf meine ursprüngliche Heimat, Syrien, beginnt. Viele Leser in der Bundesrepublik werden sich jedoch darüber freuen, dass ein Migrant aus ­Syrien den Mut aufbringt, Deutschland mit ­Syrien in Hinblick auf die Kultur der Angst zu vergleichen. Meine ursprüngliche Heimat ­Syrien stand im 19. Jahrhundert unter türkisch-osmanischer Herrschaft, das heisst, unter einer Spielart der orientalischen Despotie. Der syrische Denker des 19. Jahrhunderts, Abdul Rahman al-Kawakibi, entfloh der Herrschaft des türkischen Sultans Abdülhamid und ging nach Kairo, wo er sein historisches Werk «Taba’i’ al-Istibdad» (Wesensmerkmale der Tyrannei) schrieb. Zu Recht beklagte er sich über die Kultur der Angst, mit der sich die Tyrannei durchsetzt. Ich beobachte mit Sorge, wie sich eine vergleichbare Kultur der Angst aus der Tyrannei der herrschenden Meinung in Deutschland heute durchsetzt.

Parallelen zu Syrien

In diesem Zusammenhang möchte ich auch mit ­Hilfe eines grossen europäischen Denkers des 19. Jahrhunderts, John Stuart Mill, behaupten, dass diese Tyrannei ­keine Eigenart orientalischer Despotie ist. Auch in einer Demokratie kann Tyrannei auftreten. Deshalb fordert Mill in seinem Klassiker «On Liberty», im Namen der Freiheit den «Schutz vor der Tyrannei der herrschenden Meinung und Gesinnung» zu garantieren. Dieses Werk wurde nach dem Sieg über die Hitler-Diktatur 1945 in ­Zürich (Pan-Verlag) in einer deutschen Übersetzung veröffentlicht und in Deutschland verbreitet als Beitrag zur Demokratisierung der politischen Kultur. Mill konstatiert gleich zu Beginn, dass das Recht auf Redefreiheit erfordere, dass die vorherrschende Meinung «nicht berechtigt ist, eine Person mundtot zu machen [. . . und] zum Schweigen zu verdammen». John Stuart Mill weiss, dass die Mittel zu dieser Unterdrückung unterschiedlicher Natur sein können. In Syrien gibt es Gefängnisstrafen für abweichende Meinungen – in der heutigen Bundesrepublik gibt es die Angst davor, in eine Kategorie der outcasts der Rechten eingeordnet zu werden, mit der Folge, ausgegrenzt zu werden. Die Ausgrenzungsmittel beginnen mit der Beschuldigung des «Populismus», steigern sich zum Vorwurf des «Rechtspopulismus» beziehungsweise jenem, «rechtsradikal» zu sein.

Als syrischer Migrant in Deutschland weiss ich, was offene und verdeckte fremdenfeindliche Diskriminierung ist. Die Meinungsfreiheit, für die ich hier eintrete, gilt nicht für Rassismus und Volksverhetzung. Ich schreibe diesen Artikel im Bewusstsein, dass jeder fremdenfeindliche Rechtsradikalismus ein Verbrechen gegen die Menschheit ist. Es ist jedoch unfair, die Ängste normaler Bürger vor den sozialen und gesellschaftspolitischen Folgen des Zustroms von zirka einer Million Armuts- und Kriegsflüchtlingen allein im Jahr 2015 mit dem generellen Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit zu belegen. Demokraten müssen eine ideologiefreie Diskussion über diese Ängste zulassen und diesbezüglich einräumen können, dass nicht alle Flüchtlinge politisch Verfolgte sind, sondern dass auch Armutsflüchtlinge kommen. Diese bringen auch die politischen Konflikte ihrer Herkunftsländer mit. Wenn man den Menschen verbietet, frei darüber zu reden, dann springen wirklich Rechtsradikale und Neonazis ein und nutzen wie Rattenfänger ihre Chance auf Mobilisierung.

Diese folgenreiche Gefahr können Demokraten nur durch die ­Gewährung des Rechts auf Redefreiheit unterbinden. Die Zustimmung zur Nulltoleranz gegenüber rechtsradikaler Gewalt darf nie ­eine Einschränkung der Redefreiheit bedeuten. Grosse Teile der unbescholtenen Bevölkerung durch die von linken und grünen Meinungsmachern durchgesetzte Kultur der Angst in Haft zu nehmen, ist jeder Demokratie fremd.

Mit anderen Worten: In diesem Artikel kritisiere ich nicht nur die grenzenlose Zuwanderung nach Europa, sondern auch rechtsradikale Fremdenfeindlichkeit und die linke Ideologie. Beide Ideologien, die rechte und die linke, gefährden die Redefreiheit als ein Recht, ohne dessen Anerkennung keine Gesellschaft beanspruchen kann, offen und zivil zu sein. Die Alternative zum Extrem der Fremdenfeindlichkeit ist nicht das Gegenextrem der Idealisierung des Fremden. Unter den Leuten aus meiner Heimat ­Syrien, die nach Deutschland flüchten, befinden sich auch manche, die zuvor ihre Nachbarn ermordet haben – nicht alle sind Engel, Inge­nieure und hochgebildete Akademiker, wie deutsche Medien suggerieren.

Auch Merkel wurde diffamiert

Ich habe als Migrant mit arabisch-muslimischen Wurzeln und auch semitischem Hintergrund mit vielen Deutschen gesprochen, die ­Demokraten sind und von denen ich sicher bin, dass sie nicht als Rechtsradikale verdächtigt werden können. Sie haben Angst davor, offen ihre Meinung äussern, eben weil sie wissen, welche Keulen gegen sie eingesetzt werden, wenn sie vom vorherrschenden Narrativ abweichen. Viele Menschen mit Migrationshintergrund wie ich – 20 Prozent der deutschen Wohnbevölkerung – haben durchaus ähnliche Ängste.

In dieser Atmosphäre müssen sich selbst die Vertreter der regierenden Klasse in Acht nehmen. Um dies zu illustrieren, beginne ich mit der Bundeskanzlerin selbst, die Opfer der beklagten Kultur wurde: Beim Besuch ­einer Schule brachte Angela Merkel gegenüber einer verzweifelten palästinensischen Flüchtlingsschü-
lerin volles Verständnis für deren Schicksal auf, fügte jedoch den politisch unkorrekten Satz hinzu: «Wir können nicht alle Tausende aus den palästinensischen Flüchtlings­lagern aufnehmen.» In den Medien wurden die Worte des Verständnisses gestrichen – es blieb der aus dem Kontext gerissene Satz übrig. Der Bundeskanzlerin wurde «menschliche Kälte und Herzlosigkeit» sowie mangelndes Verständnis für die Flüchtlinge vorgeworfen. Sie wurde diffamiert.

Ein anderes Beispiel ist der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der angesichts der steigenden Migration – bis Ende 2015 wird Deutschland gemäss Bundesamt für Migra­tion rund eine Million Menschen aus aller Welt aufnehmen – öffentlich sagte: «Wir haben die Grenzen der Aufnahmefähigkeit erreicht.» In den ARD-Nachrichten durfte daraufhin ein Politiker der Partei Die Linke ohne Widerspruch (man denke an die Herkunft dieser Partei) Seehofer als Rassisten diffamieren. Auch das ZDF versuchte, Seehofer mit Zitaten («Deutschland ist nicht das Sozialamt der Welt») zu verfemen. Seehofer wehrte sich mit dem Hinweis, dass solche Zitate kontextfrei zitiert wurden. Was ist rassistisch an der Feststellung einer begrenzten Aufnahmekapazität?

Ein drittes Beispiel ist der deutsche Innen­minister Thomas de Maizière, der im Fernsehen sagte: «Wir können nicht jeden, der sich ins Mittelmeer begibt, aufnehmen.» Am nächsten Tag liessen die Medien verlauten, dass de Maizière «mit solchen Aussagen seine Eignung für ­eine Kanzlerkandidatur» verwirke. Der ­Minister lernte schnell. Sein Kommentar über die Tausende von Migranten, die mangels Wohnraum in Zelten aufgenommen werden mussten, lautete nun: «Wir sind gefordert, nicht überfordert.» Er ­wiederholte diese inhaltlich falsche Aussage mehrfach wie ein Musterschüler. Dabei klagen deutsche Kommunen dar­über, dass sie weit mehr als überfordert seien.

Deutschland hat eine Wohnbevölkerung von über 80 Millionen. Zwanzig Prozent ­dieser Wohnbevölkerung hat Migrationshintergrund, als ein in Damaskus geborener Syrer gehöre ich dazu. Es macht keinen Unterschied, ob diese Menschen einen deutschen Pass besitzen oder nicht. Anders als Frankreich oder die USA hat Deutschland keine Tradition von ­citoyenneté /
citizenship. Wir gelten als «Passdeutsche» (in meinem Fall: «Syrer mit deutschem Pass»). Die Tatsache dieser wackligen Einbindung in das deutsche Gemeinwesen veranlasst uns Menschen mit Migrationshintergrund, uns um unsere Integration zu sorgen, wenn die Stimmung von verordneter Fremdenliebe in Fremdenfeindlichkeit kippt. Viele Deutsche, die mit mir – stets hinter vorgehaltener Hand – sprechen, klagen über Zukunftsängste und Unsicherheit. Wie kann ein im Vergleich zu den USA kleines Land wie Deutschland in ­einem Jahr eine Million Menschen aufnehmen, ohne ein Konzept der Integration, ohne eine Infrastruktur der Einbindung zu haben? Viele der ­Armutsflüchtlinge können beruflich nicht eingegliedert werden. Selbst die USA nehmen nicht eine Million Menschen pro Jahr auf. Über die ­entsprechenden gesellschaftspolitischen Folgen frei zu sprechen, ist auch im Interesse der Deutschen mit Migrationshintergrund. ­Jedoch verbieten es Meinungsherrscher, ­diese Probleme beim Namen zu nennen.

Demokratie ist Angstfreiheit

Es wird von den Medien eine allumfassende Harmoniekultur vorgeschrieben, die jeden verfemt, der nicht mitmacht. Ich bin selbst fremd und ein Migrant sowie ein ehemaliger Achtundsechziger und Linker. Auch ich habe Angst, wenn ich in meiner deutschen Ersatzheimatstadt ethnisch zusammengesetzte ­Jugendbanden von Zuwanderern aus meiner Heimat sehe – denen ich aus dem Weg gehe.

Die sachliche Debatte muss von dieser Sachlage ausgehen: Es gibt eine globale Fluchtbewegung. Auf dem Weltflüchtlingstag in Berlin am 20. Juni dieses Jahres ­wurde die Zahl von weltweit 56 Millionen Flüchtlingen bekanntgegeben. Einige Monate später ist diese Zahl auf 60 Millionen geklettert. Einige Millionen von ihnen wandern illegal nach Europa ein, hauptsächlich über zwei Routen: erstens über den Balkan, aus der Türkei und Griechenland kommend, zweitens aus Libyen über das Mittelmeer nach Italien. Diese illegalen Zuwanderer geben offen Deutschland als Ziel an, weil weltweit bekannt geworden ist, dass dieses Land parallel zur Zuwanderung ­eine Aufnahme in das grosszügige Sozialsystem ermöglicht.

Das zentrale Problem sind nicht die kriminellen Schleuserbanden, sondern Deutschland selbst, das weder ein Einwanderungskonzept noch eine Strategie für den Umgang mit Flüchtlingen hat. Es sei klargestellt: Jede Willkommenskultur ist nobel, und ich begrüsse ­diesen Wandel von Herzen. Doch wenn die Formel «Refugees Welcome» ein Einwanderungskonzept ersetzt und parallel dazu die benötigte Infrastruktur für die Eingliederung der Zuwanderer fehlt, dann bleibt es bei den Sprechblasen der Meinungsherrscher, die jeden Abweichler verfemen. Diese politische Kultur der Angst ist schlicht nicht demokratisch.

Fassen wir zusammen: In Deutschland beherrschen linke und grüne Meinungsmacher die Medien und bestimmen das vorherrschende Narrativ. Ich behaupte, dass die von wenigen Tausenden betriebene Tyrannei der vorherrschenden Meinung zur Verbreitung einer Kultur von Angst beigetragen hat. Mein jüdischer Lehrer Theodor W. Adorno hat uns Studenten in Frankfurt die Freiheit von Angst mit diesen Worten beschrieben: «Wenn ich heute im Gegensatz zu 1933 Geräusche am Morgen vor meiner Haustür höre, dann ist dies sicher der Brötchenmann oder Zeitungsverträger, kein Nazi-Offizier.» Damit wollte Adorno ­sagen: Demokratie bedeutet Angstfreiheit.

Die im Post-Nazideutschland vorherrschende politische Kultur entspricht nicht dem Geist der Angstfreiheit, welchen das Grundgesetz garantiert. Es macht Angst, zu sehen, dass jeder, der die Euphorie der Medien nicht teilt, als «Nazi» abgestempelt wird. Die Deutschen sollten sich an ihre Erfahrungen der Tyrannei der vorherrschenden Meinung in der Nazizeit erinnern und Schlimmeres abwehren. Die Tatsache, dass dieser kritische ­Artikel in der Schweiz und nicht in Deutschland erscheint, spricht für sich.

Bassam Tibi ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Buchautor ­syrischer Herkunft. Von 1973 bis 2009 
war er Professor für Internationale Beziehungen an der ­Georg-August-Universität Göttingen. Er gilt als gefragter Experte für die arabische Welt und den politischen ­Islam.

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2015-4 ... 22015.html


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 Post subject: Re: Europa nach Merkel
PostPosted: 2. Feb 2016, 06:57 
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Livia wrote:
Bassam Tibi in der Weltwoche:

http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisg ... dID=556180

Quote:

(...)

Ich ­wage die Prognose, dass eine ungehemmte ­Ausbreitung der Parallelgesellschaften in Europa den Zerstörungsprozess des Gemeinwesens einleitet. Osteuropäische Länder, die dieses Schicksal nicht hinnehmen wollen, werden in westlichen Medien mangelnder Solidarität bezichtigt. Es ist beängstigend, wie Deutschland in diesem Kontext einen moralischen Imperialismus praktiziert, der sogar mit wirtschaft­lichen Sanktionen verbunden wird.

(...)


Noch was zum Thema "moralischer Imperialismus":

Quote:
Hört endlich auf, uns zu bevormunden!

Ali Ertan Toprak ist der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde und der Immigrantenverbände. Und er empfindet die Denkverbote der "weißen linken Feministinnen" als einen Schlag ins Gesicht. Er weist darauf hin, dass die Leugnung der Frauenfeindlichkeit muslimisch geprägter Männer ein Verrat an ihren Opfern ist: den Frauen.

(...)

Welch ein anmaßendes und kolonialistisches, übergriffiges Denken ist es, dass ihr Denk- und Sprechverbote zu den teilweise zutiefst faschistischen Verhältnissen in diesen Ländern aussprecht?!

Ihr dürft gern und ungehindert euren eigenen Faschismus und Sexismus bekämpfen - wir aber sollen die Missstände in unseren Herkunftsländern nicht ansprechen dürfen, weil sonst euer Weltbild ins Wanken gerät, wonach nur und immer der weiße Mann an allem schuld ist? Habt ihr euch eigentlich schon einmal mit der Sklaverei und dem Imperialismus der muslimischen Welt beschäftigt?

(...)


http://www.emma.de/artikel/hoert-endlic ... den-331467


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